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Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 4-5
82418 Murnau

Tel. (08841) 476-207/-201
Fax (08841) 476-277
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Ödön von Horváth (1901-1938)

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Ödön von Horváth, um 1935
Foto: Privatbesitz

 BITTE BEACHTEN SIE, DASS DER HORVÀTHRAUM WEGEN UMBAUARBEITEN VOM 1.DEZEMBER 2009 BIS 25.FEBRUAR 2010 GESCHLOSSEN IST!

 Im Schloßmuseum Murnau ist eine eigene Abteilung dem Thema "Ödön von Horváth und Murnau" gewidmet. Ödön von Horváth ist vorrangig als "Dramatiker der Moderne" und als "Erneuerer des Volksstücks" in die Literaturgeschichte eingegangen.

Der chronologisch angeordnete Ausstellungsteil dokumentiert vor allem die Murnauer Zeit des ungarischen Schriftstellers und die Werkbezüge zu Murnauer Lokalitäten, Ereignissen und Persönlichkeiten in den 1920er und 30er Jahren. Dokumente und Photographien belegen, daß der Ort im Leben von Ödön von Horváth einen zentralen Platz einnahm. Murnau hatte den Schriftsteller so nachhaltig geprägt, daß er auch noch Jahre nach seiner Flucht in seinen Theaterstücken und in dem Roman "Jugend ohne Gott" aus einem Reservoir von Erinnerungen schöpfte.

Die schöne Landschaft um Murnau und ein Zufall sind dafür verantwortlich, daß der Marktflecken am Alpenrand weltweit mit dem Werk Ödön von Horváths eng in Verbindung zu bringen ist. "Anfang August fuhr ich durch das bayerische Oberland und in der Nähe von Partenkirchen, dort wo die Berge beginnen, durchfuhren wir auch einen sogenannten schmucken Markt. Die Sonne schien und Sonntags wars." So beschreibt der Schriftsteller Ödön von Horváth (1901 - 1938) seine erste Begegnung mit Murnau, das 70 km südlich von München liegt. Inspiriert von der schönen Lage des Marktes, kauften die Eltern Ödön von Horváths 1921 in der Bahnhofstraße ein Grundstück und ließen darauf drei Jahre später ein Landhaus errichten. Bis das Haus 1924 bezugsfertig war, logierten die Horváths drei Sommer lang in Ferienwohnungen und Pensionen, so sehr hatte es ihnen der Marktflecken angetan.

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Edmund von Horváth, seine Frau Maria und die beiden Söhne Ödön und Lajos vor der Villa in Murnau, um 1925
Foto: Privatbesitz

Das "Gütchen in Murnau", wie Ödön von Horváth den Wohnsitz liebevoll nannte, war ursprünglich als "Sommerresidenz" neben der Münchner Wohnung geplant, wurde aber mehr und mehr zum Aufenthaltsort des ältesten Sohnes, der inzwischen an der Ludwig-Maximilians-Universität München sein Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik abgebrochen hatte. Von 1924 bis 1933 hielt sich Ödön von Horváth überwiegend in Murnau auf. Der Ort wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Bergtouren. Der nahegelegene Staffelsee lud Sommer wie Winter zu Freizeitaktivitäten ein: Schlittschuhfahren, Eisstockschießen, Rudern, Schwimmen.

In Murnau fand Horváth die Leute, die ihn literarisch interessierten. In den zahlreichen Wirtschaften, Biergärten und Aussichtscafés suchte er mit Vorliebe den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Dort saß er, las Zeitung, trank sein Bier, hörte den Leuten zu und machte sich Notizen. Er fand in den Zeitungen und Zeitschriften des bayerischen Oberlandes reichliches Rohmaterial. Der "Staffelsee-Bote", die Lokalzeitung von Murnau und Umgebung, wurde ihm zu einer schier unerschöpflichen Quelle. Murnauer Lokalitäten, Vorkommnisse und Persönlichkeiten standen ihm Modell für seine Kleinbürgerstudien in "Zur schönen Aussicht", "Italienische Nacht" und in mehreren Prosaskizzen. Darüber hinaus entstanden hier die Volksstücke "Revolte auf Côte 3018" (Neufassung: "Die Bergbahn", "Geschichten aus dem Wienerwald", "Kasimir und Karoline", "Glaube Liebe Hoffnung", der Roman "Der ewige Spießer" und die "Sportmärchen".
Besonders in dem Volksstück "Italienische Nacht" (1930) griff Ödön von Horváth Murnauer Lokalitäten, Vorkommnisse und markante Persönlichkeiten auf und gestaltete sie nach seinen künstlerischen Vorstellungen.
In den ersten Jahren war der Sohn der angesehenen ungarischen Diplomatenfamilie gut in das Kleinstadtleben integriert. Das Verhältnis verschlechterte sich aber mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, da Ödön von Horváth weder in seinen Theaterstücken und Prosaskizzen noch in seinen Äußerungen in der Öffenlichkeit die Nationalsozialisten vor Kritik schonte. Ein Streit mit Murnauer SA-Leuten im Februar 1933 zwang den Schriftsteller, aus Murnau zu fliehen. Im Dezember 1933 verkauften die Eltern die Villa. Für Horváth begann die unstete Zeit der Emigration.
(Auszüge aus Texten von Dr. Elisabeth Tworek)

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Lajos und Ödön von Horváth,
um 1905
Foto: Privatbesitz

   
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Murnau, 1930er Jahre.
Vorne links: Der Gasthof
"Die Traube"
Foto: Schloßmuseum Murnau

   
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Wochenend am Staffelsee",
Entwurf zu "Italienische Nacht",
Notizbuch Nr. 6, Seite 45, 1929

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Ödön von Horváth
in den Alpen, 1923
Foto: Schloßmuseum Murnau

   
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Ödön von Horváth (re.)
mit Freunden und Bruder (2.v.li.)
auf der Fürstalm, um 1925

   
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Raum der Dauerausstellung im
Murnauer Schloßmuseum

Die Ausstellung (Raum 14) dokumentiert die Murnauer Zeit Ödön von Horváths und die Werkbezüge zu Murnauer Ereignissen, Persönlichkeiten und Lokalitäten in den 20er und 30er Jahren.


Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Traugott Krischke
Kuratorin: Dr. Elisabeth Tworek

Zu Leben und Werk

1901
9. Dezember: als erster Sohn des Diplomaten
Dr. Edmund Josef Horváth und Maria Hermine Horváth, geb. Prehnal in Susak/Fiume geboren.
Zwei Jahre später Geburt des Bruders Lajos.

1909
Versetzung des Vaters von Budapest nach München, Edmund von Horváth wird Fachberichterstatter
des K. Ungarischen Handelsministeriums in München.

1911 - 1920/21
Ödön besucht verschiedene Schulen in Budapest, München und Pressburg, macht in Wien das Abitur.
Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (bis zum Wintersemester 1921/22)

1922
Das Buch der Tänze

1923
Dósa. Fragment; Mord in der Mohrengasse. Schauspiel

1924
Einzug in das Murnauer Landhaus. Ödön hält sich von nun an überwiegend in Murnau, aber auch in Berlin auf. Sportmärchen

1926 - 1930
Revolte auf Côte 3O18. Volksstück; Zur schönen Aussicht. Komödie

1928
Sladek der schwarze Reichswehrmann. Historie; Rund um den Kongress. Posse
Die Bergbahn. Volksstück. Neufassung von "Revolte auf Côte 3018"

1930
Der ewige Spießer. Roman; Italienische Nacht. Volksstück

1931
1. Februar: Saalschlacht zwischen NSDAP und sozialdemokratischem Reichsbanner im Gasthof "Kirchmeir" in Murnau, 22. Juli: Saalschlacht-Prozeß in Weilheim; 25. Oktober: Kleist-Preis; 28. Oktober: Revisionsverfahren zum Saalschlacht-Prozeß vor dem Landgericht München II; Geschichten aus dem Wiener Wald. Volksstück; Kasimir und Karoline. Volksstück

1932
Glaube Liebe Hoffnung. Ein kleiner Totentanz

1933
1O. Februar: Streit mit der SA im "Hotel Post" in Murnau. Flucht aus Murnau. Hausdurchsuchung in der Horváth-Villa. Eine Unbekannte aus der Seine.
Komödie
Hin und her. Komödie; Himmelwärts. Ein Märchen

1935
Horváth verläßt endgültig das Deutsche Reich; Mit dem Kopf durch die Wand. Lustspiel; Don Juan kommt aus dem Krieg. Schauspiel; Figaro läßt sich scheiden. Komödie; Der jüngste Tag. Schauspiel

1937
Ausschluß aus dem Reichsverband Deutscher Schriftsteller. Jugend ohne Gott. Roman. Exil-Verlag Allert de Lange; Das Dorf ohne Männer. Lustspiel

1938
Am Tag nach dem "Anschluß" Österreichs an das Deutsche Reich flieht Horváth von Wien nach Budapest; Ein Kind unserer Zeit. Roman. Exil-Verlag Allert de Lange; Adieu, Europa! Romanfragment: 7. März: Jugend ohne Gott wird in Deutschland verboten.

Am 1. Juni 1938 stirbt Ödön von Horváth in Paris.

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Aktuell
Wiedereröffnung der
neu konzipierten
Dauerausstellung
"Ödön von Horváth in Murnau"
am 2. März 2010
  > Murnauer Schloss 
> Murnauer Landschaft / Murnauer Moos
> Handel und Gewerbe / Federblumen und Hinterglasmalerei
> Hinterglasbilder - Sammlung Udo Dammert
> Künstler entdecken die Murnauer Landschaft
> Gabriele Münter
> "Neue Künstlervereinigung München" / "Der Blaue Reiter"
> Ödön von Horváth (1901-1938)
 
 
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