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Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 4-5
82418 Murnau

Tel. (08841) 476-207/-201
Fax (08841) 476-277
E-Mail

Lajos von Horváth

Zeichner und Illustrator 1903 - 1968

30. März - 1. Juli 2001


 

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Ödön und Lajos von Horváth,
um 1910, Privatbesitz 

   
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Familie Horváth vor ihrem
Haus in Murnau,
um 1925, Privatbesitz 

   
  lajos3.jpg
 

Lajos von Horváth mit
seiner ersten
Frau Auguste und
Hund Tarka,
Mitte 1920er Jahre,
Privatbesitz 

   
  lajos4.jpg
 

Die Brandversicherung,
Tuschzeichnung,
erschienen in der
Zeitschrift "Jugend"
Nr. 31, S. 486
Schloßmuseum Murnau 

   
  lajos5.jpg
 

Die Späße Ludwigs
des Elften, Illustration
zu Balzacs
"Contes drolatiques",
1940er Jahre, Privatbesitz

   
  lajos6.jpg
 

Wjasnowatowka-Krutaja
Gora 1943.1.29
aus dem Zyklus "Rückzug",
1944
Kohle-Kreidezeichnung,
Schloßmuseum Murnau

   
  lajos7.jpg
 

Feine Leute, Tuschzeichnung,
1930er Jahre,
Schloßmuseum Murnau

Lajos von Horváth war 21 Jahre alt, als er 1924 mit seinen Eltern und dem zwei Jahre älteren Bruder Ödön, dem späteren Dramatiker, nach Murnau zog. Durch die Tätigkeit des Vaters als Diplomat in ungarischem Dienst hatte die Familie schon mehrmals ihre Wohnorte gewechselt.
Durch die Tätigkeit des Vaters als Diplomat in ungarischem Dienst hatte die Familie schon mehrmals ihre Wohnorte gewechselt. Ödön wurde 1901 in Fiume an der Adria geboren, Lajos 1903 in Belgrad. Kindheit und Jugend verlebten die Brüder in München.

Während Ödön von Horváth seit Anfang der Zwanziger Jahre schriftstellerisch tätig war, entdeckte Lajos sein Talent als Zeichner und Illustrator und stand dem Bruder in Witz und Tiefgründigkeit kaum nach. Die prägnanten Karikaturen, die Lajos ab 1931 für das Satireblatt "Simplicissimus" und die "Jugend" in Szene setzte, folgten Ödöns "Sportmärchen", die bereits ab 1924 im "Simplicissimus" veröffentlicht worden waren und in kurzer, epigrammatischer Form makabre Mini-Dramen des Sportlerdaseins entwarfen. Beide Brüder hatten das Talent, menschlichen Unzulänglichkeiten nachzuspüren und sie als scharfsinnige Beobachter literarisch oder eben zeichnerisch in Metaphern ihrer Zeit umzusetzen.
Während sein Bruder zeitweise in Berlin lebte, weilte Lajos häufiger bei seinen Eltern in Murnau und heiratete 1925 Auguste Emhardt, die Schwester eines Freundes. Doch Murnau konnte nur bis 1934 Aufenthaltsort der Familie bleiben, da die Nationalsozialisten der Familie Horváth das weitere Leben hier unmöglich machten.

Zum Werk
1937 stellte Lajos in Wien das erste Mal seine Werke aus. Ausstellungen in Paris und Amsterdam folgten. Im selben Jahr begann er Illustrationen zu Rabelais' "Gargantua et Pantagruel" (1532 - 64) und Balzac's  "Contes drolatiques" (1837), die beide bereits im 19. Jahrhundert von Gustave Doré illustriert worden waren.
Balzac war ein großer Verehrer Rabelais' und hatte sich dessen Fabulierfreude und die sich überschlagende Wortakrobatik zum Vorbild genommen. Beide Werke sprühen von unbändiger Detail-freudigkeit, pointiertem Witz und heiterer Lebensweisheit. Lajos von Horváth, der von den Vorgaben Dorés nicht unbeeinflußt blieb, gab den skurrilen wie quirligen Szenarien den Rahmen miniaturhaft gemalter, kleinformatiger Bilder, die an mittelalterliche Buchmalerei erinnern und sie gleichzeitig persiflieren.
Mit seinem Bruder verbanden ihn in dieser Zeit zwei künstlerische Projekte: Ein gemeinsam geplantes Buch, das jedoch nicht zustande kam, sowie Bühnenbildentwürfe, die Lajos später für Ödöns Stück "Dorf ohne Männer" gestaltete.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Lajos von Horváth eingezogen. Er diente ab 1942 in der Ungarischen Armee und nahm am Rußlandfeldzug teil. Schwer verwundet wurde er 1944 in ein Lazarett gebracht, in welchem er die Arbeit an seinem Zyklus "Rückzug" aufnahm, die er nach seiner Rückkehr in München fortführte. 
Insgesamt entstanden elf beeindruckende Kohle- und Kreidezeichnungen, die von den traumatischen Erlebnissen des Kriegswinters 1943/44 berichten und ein ausdrucksvolles Gegengewicht zu den spielerischen Buchillustrationen setzen. Bis auf eine Ausnahme bezeichnete er jedes einzelne Blatt mit der genauen Orts- und Datumsangabe und verlieh ihm dadurch besondere Authentizität.

Von München nach Wien
1945 siedelte Lajos von Horváth aus dem zerstörten München nach Wien über, wohin sich bereits seine Eltern zurückgezogen hatten.
Dort schuf er unter anderem Illustrationen zu Jonathan Swifts "Gullivers Reisen"(1947), Dumas' "Der Graf von Monte Christo" (1948) und Selma Lagerlöfs "Nils Holgersons wunderbare Reise zu den Wildgänsen" (1949). Ferner arbeitete er als Deutschlehrer für britische Offiziere und als Übersetzer ungarischer Romane. 1959 heiratete er Elisabeth zu Leiningen-Westerburg.
Am 8. Juli 1968 starb Lajos von Horváth in Wien.

Zur Ausstellung
Die Ausstellung zeigt einen Großteil der sich in Privatbesitz befindlichen Karikaturen, Miniaturen und Illustrationen sowie den Zyklus "Rückzug" und gibt ein umfassendes Bild dieses von vielschichtigem Humor geprägten Schaffens. Zahlreiche Fotos und Dokumente erzählen von der Lebensgeschichte Lajos von Horváths, der immer der "kleinere" Bruder des berühmten Schriftstellers geblieben war.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen

> zu den Publikationen

> zur Dauerausstellung Ödön von Horváth

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