Handel und Gewerbe / Federblumen und Hinterglasmalerei
Raum 4 und 5 führen ein in die Siedlungsgeschichte und Entwicklung des Marktes Murnau sowie in wichtige Gewerbe bzw. Hausgewerbe: Murnau ist nicht erst heute ein beliebter Marktort - schon im Mittelalter gab es hier geschäftiges Leben. Die Bevölkerung lebte in hohem Maße vom Warenhandel, denn der Ort lag an dem bedeutenden Handelsweg, der von Oberitalien über die Alpen nach Augsburg führte.Als die gute Wirtschaftslage durch die wachsende Bevölkerung, wegen des nachlassenden Handelsverkehrs auf der Rottstraße und aufgrund der Folgen des 30jährigen Krieges im 17. Jahrhundert nachließ, suchten die Bewohner neue Haupt- und Nebenerwerbszweige. Die Murnauer spezialisierten sich in der Zeit von ca. 1650 bis ca. 1860 auf die Herstellung von Federblumen (als Altarschmuck) und von Hinterglasbildern, die zum großen Teil für den religiösen Bedarf waren und neben profanen Motiven überwiegend Heiligenporträts und Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament zeigten.
Murnau stand in ständigem kulturellen und wirtschaftlich Kontakt zum Kunstzentrum Augsburg, einige der Murnauer Glasmaler erhielten dort ihre Ausbildung, so daß auch die Murnauer im 18. Jahrhundert eine sehr qualitätvolle Hinterglasmalerei hervorbrachten. Ihr Stil und ihre Motive waren von der spätbarocken Tradition Oberbayerns geprägt, die sie unmittelbar über meist in Augsburg gedruckte Kupferstich-Vorlagen für ihre Bilder übernahmen.
Im 19. Jahrhundert führte die wachsende Nachfrage nach diesen Bildern auch in kleinbürgerlichen und ländlichen Kreisen in Murnau und dem nahegelegenen Seehausen, Uffing und Oberammergau zu einfacheren Bildtypen: man malte Bilder, die nur die Hauptformen der Figuren und Szenen in dunklen Konturen und in leuchtenden Farben wiedergaben. Diese Bilder wurden in größeren Serien und unterschiedlichen Größen für einen Massenbedarf produziert. Charakteristisch blieb in dieser Region jedoch das Nebeneinander von malerisch anspruchsvollen Bildern und routiniert in Serienherstellung gemalter Tafeln populärer Art. In Murnau waren um 1760 drei Malerfamilien tätig, um 1800 gab es zehn namentlich bekannte Maler in Murnau, die vom Aufschwung des Gewerbes und seinem größten Umfang im späten 18. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeugen. Verleger in den Staffelseeorten, in Augsburg und in Oberammergau übernahmen den Handel über ihre weitverzweigten Handelsnetze in Deutschland und in europäischen Zentren.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verdrängten die neuen farbigen Lithographien die Hinterglasbilder und es war in Murnau und Uffing in den 1860er Jahren kein Hinterglasmaler mehr tätig. Neuer wichtiger Erwerbs- und Nebenerwerbszweig wurde der Fremdenverkehr. Nur vereinzelt wurde die Hinterglasmalerei noch weiter gepflegt.
Um die Jahrhundertwende nahm der Murnauer Rotgerber Heinrich Rambold (1872 - 1955) die Hinterglasmalerei auf und verkaufte nun auch an einen neuen Abnehmerkreis: die "Sommerfrischler". |