„Ödön von Horváth und Murnau“
Neueröffnung der Dauerausstellung im Schloßmuseum Murnau
Im Sommer 1920 lernen Ödön von Horváth und seine Familie Murnau kennen. Der Fremdenverkehrsort gefällt ihnen so gut, daß sie mehrmals hier die Sommerfrische verbringen und im August 1921 in der Bahnhofstraße ein Grundstück erwerben, auf dem sie 1924 ein Landhaus errichten lassen. Der sprach- und weltgewandte Diplomatensohn erlebt in dem Marktflecken Murnau mit kaum 3000 Einwohnern Land und Leute hautnah. Hier findet er die Stoffe für seine Theaterstücke "Zur schönen Aussicht" (1927), "Die Bergbahn (1929), "Italienische Nacht" (1931), für seine "Sportmärchen" (1924) und den Roman "Jugend ohne Gott" (1937). In Biergärten, Hotels, Wirtschaften, im Bauerntheater und auf der Marktstraße beobachtet er die Menschen seiner Zeit, spürt ihren Ängsten, aber auch Sehnsüchten nach. In seiner Literatur gibt er ihnen eine neue literarische Biographie und gestaltet gleichzeitig ein prägnantes Bild seiner Zeit, das an Aktualität nichts eingebüßt hat. Nach einem Streit mit ortsansässigen Nationalsozialisten muß er im Februar 1933 Murnau verlassen. Im Dezember 1933 verkaufen seine Eltern das Landhaus.
Die Marktgemeinde Murnau hält seit 1988 die Erinnerung an den Schriftsteller Ödön von Horváth lebendig. Die Horváth-Forschung in Bayern ist eng mit der Literaturwissenschaftlerin und Horváth-Expertin Dr. Elisabeth Tworek verbunden, die diesem Schriftsteller vier Ausstellungen, mehrere Bücher und Hörfunksendungen gewidmet hat. Dr. Elisabeth Tworek sind grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ödön von Horváth und Murnau zu verdanken.
Seit der Eröffnung des Schloßmuseums Murnau 1993 findet der Horváth-Raum rege überregionale Aufmerksamkeit. Diese weltweit einzige Dauerausstellung zu Ödön von Horváth, die Dr. Elisabeth Tworek 1993 konzipiert hatte, wurde von ihr auf der Basis ihrer aktuellsten Forschungsergebnisse nun neu entwickelt und kuratiert. Für Ausstellungsgestaltung, Planung und Realisation zeichnen Katharina Kuhlmann (Durchschrift), Alfred Küng, Tobias Fürst und Hans Niedermaier (FUN-Architekten) verantwortlich. Die Projektleitung hat Dr. Brigitte Salmen, Leiterin des Schloßmuseums Murnau.
Die Ausstellung zeigt mit seltenen Bild-, Text-, und Filmdokumenten sowie ausgefallenen Tonbeispielen, wie umfassend Horváths Literatur von seinen Murnauer Eindrücken und Erfahrungen beeinflußt ist, wie sehr sie mit der Voralpenlandschaft verbunden ist und wie intensiv bayerische Sprache und Lebensart sie prägen.
"Die Ausstellung begibt sich mit vielen Fotos, Dokumenten und Zitaten auf die Spuren von Ödön von Horváth in Murnau, sucht Plätze, Häuser, Wirtschaften auf, die in die Weltliteratur eingingen. Sie macht gegenwärtig, wie sich Horváths Leben in Murnau abspielte, wo er sich vom Schreiben erholte, welche Menschen und Ereignisse ihn zu seinen Volksstücken, Erzählungen und Romanen inspirierten und warum er gerade in Murnau zum Schriftsteller wurde." (Dr. Elisabeth Tworek)
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