Väter & Söhne
Konfrontation und Gleichklang


Marc / Kanoldt / Jawlensky / Feininger / Geiger
21. Juli 2016 bis 6. November 2016

Wilhelm Marc, Die Söhne des Malers, 1884



Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

Edmund Kanoldt, Santa Maria della Pace in Nobiallo, 1889


Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Lyonel Feininger, Ostsee-Schoner, 1924


Privatsammlung

T. Lux Feininger, Skipper’s Daughter, 1932/1933


Privatsammlung

T. Lux Feininger, Porträt L.H. (Frauenportrait) 1930


Privatsammlung

Rupprecht Geiger, Morbides Rot, 2005


Archiv Geiger, München
Foto: Andreas Pauly, München

Väter & Söhne
Konfrontation und Gleichklang


Marc / Kanoldt / Jawlensky / Feininger / Geiger

21. Juli 2016 bis 6. November 2016

Das Schloßmuseum Murnau widmet sich mit seiner Sommerausstellung einer ganz besonderen Konstellation: den Vater & Sohn-Paaren unter den Künstlern. Im Mittelpunkt stehen die Maler Wilhelm und Franz Marc, Edmund und Alexander Kanoldt, Alexej und Andreas Jawlensky, Lyonel und T. Lux Feininger sowie Willi, Rupprecht, Lenz und Florian Geiger.

Die Bilder des Vaters Lyonel Feininger (1871–1956) begleiten Andreas (1906–1999) und T. Lux (1910–2011) ein Leben lang. Sie überlagern sich mit ihren Arbeiten, die mitunter zu einer Hommage an den Vater werden. Ein Gleichklang, der in ähnlicher Weise auch die Beziehung von Vater Alexej (1864–1941) und Sohn Andreas Jawlensky (1902–1984) prägt. Stolz berichtet Alexej Jawlensky am 18. Februar 1924 dem Braunschweiger Sammler Otto Ralfs von einer Ausstellung seines Sohnes in Wiesbaden. Andreas, dessen Kindheit zwischen Künstlern, Literaten, Sammlern und Mäzenen stattfand, ist zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt.

Franz Marc (1880–1916) wuchs in künstlerisch geprägtem Umfeld mit den Werken seines Vaters Wilhelm (1839–1907) auf. Die Entscheidung ebenfalls Künstler werden zu wollen, verwundert da nicht. Wilhelm Marc war jedoch von dem Wunsch seines Sohnes wenig angetan. Er hielt ihn für zu wenig talentiert.

Mitunter ist das Vater-Sohn-Verhältnis problematisch. Thomas Mann und sein Sohn Klaus, als auch Hermann Kafka und sein Sohn Franz hatten schwerwiegende Differenzen. Kafkas 103 Seiten langer "Brief an den Vater" ist 1919 eine schonungslose Abrechnung. Das Verfassen des Briefes, den Kafka nie abschickte und der heute zu den wichtigsten Texten der literarischen Moderne zählt, bedeutete für ihn die Aufarbeitung seines Vaterverhältnisses.
Im Fall von Edmund (1845–1904) und Alexander Kanoldt (1881–1939), die sich in ihrem künstlerischen Schaffen ganz unterschiedlich orientiert haben, ist der Sohn der weitaus Berühmtere der beiden. Zeigt sich der Vater mit heroischen Landschaften und mythologischer Staffage als einer der letzten Deutschrömer rückwärts gewandt, wagt der Sohn den Bruch mit der Tradition und macht sich als Vertreter der Neuen Sachlichkeit einen Namen. Trotz seines entgegen gesetzten Weges lassen sich im Oeuvre Alexander Kanoldts eine ganze Reihe von Spuren nachverfolgen, die unmittelbar zu denen des Vaters führen.

Manchmal lässt sich auch eine umgekehrte Einflussnahme beobachten und sich der Vater vom Sohn inspirieren. So griff Willi Geiger (1878–1971) mehrmals zu den Tagesleuchtpigmenten seines Sohnes Rupprecht (1908–2009), um damit eine Ausdruckssteigerung seiner Arbeiten zu erzielen. Den künstlerischen Prozess führen die Enkel und Söhne Lenz (geb. 1938) und Florian Geiger (geb. 1940) fort.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen mit Beiträgen von Björn Egging, Julia Geiger, Karin Hellwig, Angelica Jawlensky Bianconi, und Brigitte Roßbeck.

"I was once like you are now
And I know that it's not easy”


(Cat Stevens, Father and Son, 1970)

Radiobeitrag in BR 2, Kultur von Julie Metzdorf:


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